Beruf Fotograf. Funktioniert das heute überhaupt noch?

Aktualisiert: Jan 23

Wir haben doch alle Smartphones, die genau so gute Bilder machen oder? Und zur Not gibt es doch noch den einen Onkel, der eine Spiegelreflex-Kamera gekauft hat. Da spart man einiges an Geld!

Prinzipiell sind die Aussagen vielleicht richtig - machen für viele aber die Notwendigkeit eines Fotografen nicht obsolet.

Zum einen sind Bilder vom Smartphone eben nicht zu vergleichen mit einer richtigen Kamera - das sogenannte Bokeh (die Tiefenunschärfe) entsteht im Handy digital und sieht bei so mancher Ausführung unschön aus. Auch der Kamera-Sensor ist bei Smartphones wesentlich kleiner, was bedeutet, dass viele Bildinformationen (also Details in sehr hellen und sehr dunklen Bereichen des Bildes) verloren gehen. Viele Megapixel machen nicht zwangsläufig eine bessere Kamera. Und die Bedienung einer manuellen Kamera ist nicht umsonst ein Handwerk. Weitere Gründe sind die Gäste, die ja keine Dienstleistung erbringen sollen, sondern sich auf den Tag freuen und ihn genießen sollen. Das Brautpaar, Eltern, Verwandte und Freunde freuen sich auf Erinnerungen an den Tag.


Das Honorar des Fotografen liegt dabei an dessen Professionalität:

  • Erfahrung (Praktische Erfahrung, Theorie – z.B. Workshops, Seminare, etc.)

  • Betreuung vor der Hochzeit

  • Vorbereitung

  • Umgang mit dem Brautpaar und Gästen

  • Handwerk (also die technische Komponente bzw. das Beherrschen der Kamera und des Zubehörs)

  • Technik (also Equipment)

  • Sicherung der Dateien

  • Bildbearbeitung

  • Auslieferung der Bilder

  • Betreuung nach der Hochzeit

  • Bürokratie (Kommunikation, Angebot, Vertrag, Rechnung, Steuern, …)

  • Werbung (Website, Anzeigen, Messen, etc.)

All das sind wichtige Komponenten für einen Gewerbetreibenden Fotografen.

Es ist nicht einfach Kunden zu gewinnen - man muss ein Portfolio aufbauen, damit Vertrauen entsteht und man den eigenen Stil vermittelt bekommt, was zu Beginn schwierig ist. Selbst mit Portfolio muss man Brautpaare erst einmal auf sich aufmerksam machen. Wenn man dann Aufträge hat benötigt man ja auch Equipment. Wenn man das nicht privat angeschafft hat muss das gemietet oder gekauft werden. Es folgen Stunden und Tage mit Vorbereitung und lernen - ob in Workshops, online Artikeln, Videos oder über Gespräche mit Marktbegleitern (anderen Fotografen). Vorbereitung heißt auch die Locations vor der Hochzeit einmal zu begutachten, damit man weiß, welches Equipment nötig ist, wie das Licht ist, wer vor Ort eventuell Ansprechpartner sind oder andere Gegebenheiten. Wenn dann der Tag des Paares kommt wird es stressig - wichtige Momente dürfen nicht verpasst werden, Emotionen müssen festgehalten werden und auf Wünsche der Kunden eingegangen werden. Alles, was man sich vorher angeeignet und sich Vorbereitet hat passiert plötzlich innerhalb von wenigen Stunden, Minuten oder Sekunden – schließlich gibt man sich das „Ja“ während der Zeremonie nur einmal, tauscht die Ringe genau einmal und hat auch den ersten Kuss, den ersten Blick auf den Partner und die Tränen der gerührten Eltern nur für ein paar Momente. Nach dem Fotos machen folgt dann das Aussortieren und Bearbeiten von Hunderten oder Tausenden von Bildern (je nachdem wie lange man die Hochzeitsgesellschaft begleitet). Und ganz wichtig an dieser Stelle: Backups! Alle Fotos sollten mehrfach weggespeichert werden und das im Idealfall an verschiedenen Orten - Sollte also eine Festplatte ihren Dienst quittieren darf das kein Grund sein dem Brautpaar keine Fotos liefern zu können. Die Fotoreportage wird dann in Szene gesetzt und dem frisch vermählten Paar präsentiert - hier und da wird es noch die ein oder andere Schleife geben was Auswahl und Bearbeitung angeht oder ggf. die gebuchten Produkte, bis dann alles ausgeliefert wird – entweder Schlicht und einfach auf einem physischen Datenträger (USB-Stick), in Form von Abzügen, Online via Dropbox oder über professionelle Plattformen, die für solche Anlässe gedacht sind. Und damit all das passieren kann gibt es im Vorfeld Kunden-Kontakt ggf. mit Rückfragen, ein Angebot wird ausgesprochen und daraufhin ein Vertrag unterzeichnet. Nachdem das alles passiert ist folgt dann das Schreiben der Rechnung, dem verfolgen der Buchungen, eventuellen Papierkram mit anderen Zulieferern (Gerätemiete, etc.) und ganz wichtig: Die Steuererklärung - schließlich möchte das Finanzamt auch sein Stück des Kuchens.


In meinem Fall bedeutet das: Ich habe neben meiner Website (als Werbung / Portfolio) und meinem Custom eMail-Konto (für Kommunikation auf professionelle Art und Weise) ein Rechnungssystem, damit ich sowohl Planen als auch verfolgen kann, was bereits passiert ist (Aufträge erfassen, Rechnungen rechtssicher schreiben & versenden, diverse Zahlungsmöglichkeiten anbieten, Zahlungen im Blick behalten).

Weiter nutze ich ein Backup-System, bei dem ich die Bilder von meinen Kamera-SD-Karten auf meinen PC transferiere, von dort werden die Dateien an meinen Cloud-Storage kopiert, sodass ich mindestens eine Kopie außerhalb meiner Wohnung habe und mehr als nur eine Kopie habe, falls etwas passiert. (Ideal wäre die 3-2-1 Methode, bei der 3 Kopien gesichert werden, auf 2 verschiedenen Medientypen und mindestens einer Kopie an anderem Standort)

Weil ich meine Kunden zufriedenstellen möchte und ein professionelles Auftreten wichtig finde nutze ich dann zur Auslieferung der Bilder eine Online Foto Gallerie, bei der die Kunden alle Bilder digital herunterladen können, sie direkt aus der Gallerie auf social media oder über die gängigen Kommunikations-Dienste teilen können und falls nicht im Vorfeld vertraglich bestellt direkt aus der Gallerie Abzüge, Wandbilder, Fotoalben, etc. bei hochwertigen Druckdienstleistern bestellen können. Auf die Online Gallerie können je nach Wunsch des Paares auch Angehörige, Freunde, alle Gäste der Hochzeit oder mehr Leute zugreifen, oder eben nur die beiden.


Mit diesen Hilfsmitteln versuche ich die Paare glücklich zu machen und meine Dienste entsprechend ihrer Qualität darzustellen. Wenn man also die anfallenden Kosten für mich als Fotografen bedenkt und den entstehenden Aufwand (der neben dem tatsächlichen Fotografieren entsteht und nicht gesehen wird) könnte das den Preis eines professionellen Fotografen wieder etwas relativieren.